Ich komme mit allem klar.
Mit den Allergien.
Mit den vielen Arbeiten.
Mit all den Schulsachen.
Das ich was mache, was ich bisher nie wollte.
Denn es gibt ja seine guten Seiten.
Ich hab weniger Migräne, weniger Bauchschmerzen
und fühl mich durch die gesunde Ernährung sowieso viel wohler.
Ich bin gut in der Schule, sogar sehr gut.
Und ich weiß, dass all das was ich habe,
ich mir selber leisten kann.
Und dann gibts Tage wie diese.
An denen ich hier einfach weg will.
Wo meine Freunde mich ansprechen
und ich genervt bin.
Und das ist kein einfaches Stirnrunzeln-genervt-sein,
sondern fühlt sich an wie tiefer Hass,
wie etwas das mit einem gewaltigen Knall bald platzt.
Die Tage wo ich zur Arbeit fahre
und nach Hause geschickt werde,
weil jeder merkt,
dass ich kurz vorm Zusammenbruch stehe.
Die Momente wo ich meinem Vater einfach gar nicht verzeihe.
Wo ich ihn hasse,
wegen seinem Egoismus,
weil mein Vater meinen Bruder immer bevorzugt hat,
weil ich immer nur dann für ihn wichtig bin,
wenn es ihm gerade passt,
weil er zu jedem Mitleid hat,
nur zu mir nicht,
weil er auf mich "stolz" ist,
und nicht schnallt,
dass ich das gar nicht brauche,
sondern Liebe und einen Vater, der für mich sorgt.
Diese Momente wo der Fernseher auskommt,
Facebook ausgeschaltet
und die Musik eingeschaltet wird.
Das Wissen,
dass ich auch einmal ganz und gar egoistisch sein möchte.
Dass ich meinem Vater all meine Vorwürfe ins Gesicht klatschen will,
dass ich meinem Vermieter sagen will,
dass ich nicht seine Geldsorgen berücksichtigen kann
und auf meine Bedürfnisse nach einer heilen Wohnung bestehe
und dass ich einen Vertrag unterschrieben habe,
den er nicht einfach so ändern kann.
Es sind diese Art von Tagen,
wo ich spazieren gehen will,
meine alte Musik rauskramen will,
meine Gefühle nicht nur aufschreiben,
sondern auch aufmalen möchte,
wo ich einfach auch mal am Abend einen Tee trinken kann,
wo all mein Aufgespartes für diesen Moment genutzt wird
und nicht aufbewahrt für eine Wohnung,
die es in einem halben Jahr irgendwann geben wird.
Ich muss mich regenerieren.
Jetzt oder nie.
Ich weiß es, ich spür es
und ich habe furchtbare Angst,
dass ich es nicht schaffe,
oder nur für kurze Zeit.
Das ich es nicht in den Alltag umsetzen kann
und vergesse, wer ich bin.
" Ich heb mein Glas hoch und salutier dir, Universum
Dir ist ganz egal ob und wer ich bin,
Du bist ungerecht und deshalb voller Hoffnung.
Ich setze alles Warten auf den Wind!"
- Max Herre ft. Sophie Hunger - Fremde
- Max Herre ft. Sophie Hunger - Fremde
