Dienstag, 11. Dezember 2012

Empfänger: Das Christkind.

Liebes Christkind,
Heute ist dein Brief für meinen kleinen Bruder angekommen.
Mein Name ist Melina, Melina Schulte.
Und auch wenn ich mittlerweile 18 Jahre alt bin,
schreibe ich dir heute!
Ich weiß nicht direkt, wie ich dir schreiben soll,
aber ich schreibe einfach mal darauf los.
Auch ich habe einen Wunschzettel
- ein Kind mehr mit Wünschen.
Dieses Jahr wünsche ich mir nichts Materielles.
Wohl das erste Jahr,
dass ich dieses sage und auch wirklich so meine.
Ich weiß, dass ich Wünsche habe,
ich weiß aber nicht, ob ich diese formulieren kann, fassen kann.
Ich war dieses Jahr auf dem Weg zu einem Festival,
als mir die Nachricht kam,
das eine Freundin von mir gestorben ist.
Sie war beim Sportunterricht,
habe wohl noch vor dem Laufen gesagt,
dass sie tot umkippt, wenn die jetzt wirklich Sport machen müssen.
Nur ein Scherz, aber auch eine Vorsehung.
Sie ist umgekippt.
Sie ist gestorben.
Man konnte ihr nicht helfen.
Und man fand bis jetzt nicht heraus,
woran sie gestorben ist.
Sie war gesund,
sportlich und so ein durchaus fröhlicher Mensch.
Sie war beliebt und wunderschön.
Aufmerksam und immer hilfsbereit.
Goldmarie. Jeder kannte sie unter den Namen Goldmarie.
Ich bin das Wochenende beim Festival geblieben,
fern von den Menschen, die mit mir um sie trauerten.
Ich war auch nicht auf der Beerdigung.
Ich glaube ich konnte es nicht wahrhaben
und kann es immer noch nicht.
Und genau das ist der Punkt.
Ich versteh es einfach nicht,
dass sie tot sein soll.
Für mich ist sie immer noch auf Reisen.
Alleine auf Reisen gegangen.
Ich glaube jetzt habe ich meinen Wunsch.
Suche bitte Marie Lohmann. Goldmarie.
Finde sie und sage ihr, wie sehr Menschen sie hier unten vermissen.
Wie wunderbar sie im Leben war
und das sie nie vergessen wird.
Sie fehlt mir sehr
und wenn du mir sagst,
dass du sie gefunden hast,
dann kann ich vielleicht einmal ruhe geben und endlich glauben,
dass sie nun im Himmel auf uns wartet...
Das ist alles. Mehr will ich nicht.
 - Melina Schulte

Montag, 10. Dezember 2012

"Guten Morgen, Herzinfakt."

"Did I say that I need you?Did I say that I want you?Oh, if I didn't I'm a fool you seeNo one knows this more than me.As I come clean...Nothing you would take. Everything you gave.Hold me till I die, meet you on the other side."

Mama."Tu dies, tu das"Erwarte kein Dank mehr.  "Und was ist hiermit?"Augen hoch, Schmerz.
Egal. Umdrehen und weiter machen.
Weiter arbeiten.Vielleicht dann ja doch nicht mehr unsichtbar.Vielleicht dann einmal mehr sein als nur die Putzfrau.Helfen, das kann ich immer. Weiter geht es. Keine Zeit verschwenden."Guten Morgen, Herzinfakt."Papa.Trunkenheit am Steuer?
Nicht mit ihm. Kein Führerschein, kein Problem.
Betrunkenes Geständnis?Ich bin mir nicht sicher.Wenn ja: Hilfe!Ein bisschen Angst, ein bisschen Zurückhaltung,ein bisschen wie Früherund vor allem ein bisschen unwichtig geworden.Ich für ihn. Natürlich.Schule.Was bin ich?
Auf keinen Fall Freiheit.
Besessen von jedem Thema.Träume davon, kann an nichts anderes denken.Monotones Putzen und beschäftigtes Lernen.Mittwoch Bio?Kein Ding, hab ja noch morgen. Will es zuklappen und fluchen.Schreien und ausflippen.Will erleben und mit ihm träumen.Nein, nicht träumen.Träume erfüllen.Nach den Sternen greifenund sie auch fangen.Hei, du brauchst dein eigenes Leben?Tu was dafür!Aber was?Wo fängt es an, wo hört es auf?Hört es irgendwann auf?Immer nur tun. Hier lernen, da putzen, da aufpassen und dort helfen. Brauch mich selbst nicht.Andere brauchen mich.Und da fällt mir doch ein
STOP!
Da fällt mir doch ein, dass ich stop machen muss.Anhalten. Luft holen.Kenneth. Ruhe.Vielleicht ist doch nicht alles so schlimm,wie es sich anfühlt.Vielleicht ist es aber eben genau so schlimm,wie es sich anfühlt.Aber er ist da. Guckt mich an und ich weiß, alles wird gutund all das endet auch einmal.Er lächelt und ich kann nicht andersals seine wunderbar sanften Lippen zu küssenund zu wissen, dass ich nie wieder Panik haben muss, denn er wird für immer meine Hand nehmenund mir mit einem Lächeln signalisieren, dass alles nur halb so wild ist, wenn man zu zweit ist.Wir kabbeln uns,hin und wieder,aber weil wir uns liebenund dann ist das doch annehmbar.Und da selbst beim Kabbeln oder auch Streitenmir ein Lächeln über das Gesicht huscht,weiß ich, dass es gut ist - genau so wie es jetzt ist.