Liebes Christkind,
Heute ist dein Brief für meinen kleinen Bruder angekommen.
Mein Name ist Melina, Melina Schulte.
Und auch wenn ich mittlerweile 18 Jahre alt bin,
schreibe ich dir heute!
Ich weiß nicht direkt, wie ich dir schreiben soll,
aber ich schreibe einfach mal darauf los.
Auch ich habe einen Wunschzettel
- ein Kind mehr mit Wünschen.
Dieses Jahr wünsche ich mir nichts Materielles.
Wohl das erste Jahr,
dass ich dieses sage und auch wirklich so meine.
Ich weiß, dass ich Wünsche habe,
ich weiß aber nicht, ob ich diese formulieren kann, fassen kann.
Ich war dieses Jahr auf dem Weg zu einem Festival,
als mir die Nachricht kam,
das eine Freundin von mir gestorben ist.
Sie war beim Sportunterricht,
habe wohl noch vor dem Laufen gesagt,
dass sie tot umkippt, wenn die jetzt wirklich Sport machen müssen.
Nur ein Scherz, aber auch eine Vorsehung.
Sie ist umgekippt.
Sie ist gestorben.
Man konnte ihr nicht helfen.
Und man fand bis jetzt nicht heraus,
woran sie gestorben ist.
Sie war gesund,
sportlich und so ein durchaus fröhlicher Mensch.
Sie war beliebt und wunderschön.
Aufmerksam und immer hilfsbereit.
Goldmarie. Jeder kannte sie unter den Namen Goldmarie.
Ich bin das Wochenende beim Festival geblieben,
fern von den Menschen, die mit mir um sie trauerten.
Ich war auch nicht auf der Beerdigung.
Ich glaube ich konnte es nicht wahrhaben
und kann es immer noch nicht.
Und genau das ist der Punkt.
Ich versteh es einfach nicht,
dass sie tot sein soll.
Für mich ist sie immer noch auf Reisen.
Alleine auf Reisen gegangen.
Ich glaube jetzt habe ich meinen Wunsch.
Suche bitte Marie Lohmann. Goldmarie.
Finde sie und sage ihr, wie sehr Menschen sie hier unten vermissen.
Wie wunderbar sie im Leben war
und das sie nie vergessen wird.
Sie fehlt mir sehr
und wenn du mir sagst,
dass du sie gefunden hast,
dann kann ich vielleicht einmal ruhe geben und endlich glauben,
dass sie nun im Himmel auf uns wartet...
Das ist alles. Mehr will ich nicht.
- Melina Schulte
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