Freitag, 4. Mai 2012

"Guten Morgen altes Leben!"

Heute soll alles anders sein.
Ein Freitag ohne meinen Freund.
Die Tür zu meinem altem Leben steht schon so lange offen,

also statte ich ihm heute einen Besuch ab.
Mal eine halbe Stunde länger schlafen,
geduscht wurde gestern Abend.
Beim Aufstehen das Gefühl,
dass man wirklich nicht mehr schlafen will.
Und dann begrüßt mich mein altes Leben mit bösen Worten.
Mama schreit meinen großen und meinen kleinen Bruder an,
keiner wollte absichtlich provozieren.
Sie schreit etwas von 'vorm Baum fahren' und sie sollen alle die 'Fresse halten',
Gefühlsausbruch, Tränen und böse Erinnerungen bei meinem großen Bruder,
mein kleiner Bruder versteht die Welt nicht mehr.
Türen knallen, Tränen fließen, Flaschen zerbrechen.
"Guten Morgen altes Leben! 
Heute steh ich dir wieder alleine gegenüber."
So viele Meinungen in meinem Kopf,
keine gehen über meine Zunge.
Stimmt, so war das.
Habe ja mein ganzes Leben lang still gehalten,

in meiner eigenen Welt den Streit ausgefechtet,
den Kampf gegen diese Riesen gewonnen,
aber die Realität sieht anders aus.
Die Riesen sind mächtiger,
meine Waffen zwecklos.
Hab ganz vergessen wie schwer es ist.
Nicht mehr ganz so klein,

nicht mehr ganz so oft zu Hause,
nicht mehr alleine,
da vergisst man das schon mal.
All das getrennt von meinem alten Leben,
nein, ich will nichts, was ich jetzt habe,
damit in Verbindung setzen.
Versöhnungsversuch durch nett gemeinten 'Zaubertrank' am Nachmittag.
Doch in all der Zeit hab ich das Zaubern verlernt.
Der nächste Streit,
die nächsten bösen Worte,
das große 'Ich-bekenne-mich-zu-jedem-meiner-Worte'
und die zu erwartende Reaktion des Unglaubens.
Tränen des Unglaubens,
Tränen des Schmerzes,
heute fühl ich mich wieder so alleine,
so verletzlich und klein,
wie vor zwei Monaten.
Nachricht.
"Kuss."
Mein Freund.
Als wüsste er, was gerade bei mir los ist.

Aufgestanden,
Sachen gerichtet,
mein neues Ich in mein altes Leben gebracht.
Lächeln.
Das alles brauch ich nicht,

ich hab ihn und er ist immer für mich da.
Nicht alleine,
nicht verletzlich und wenn,
dann heilt er mich.
Allein das Wissen bringt mich durch den Tag.
Sachen packen,

meine Freunde warten.
Teil meines ganzen Lebens,
die Tür manchmal seine ganz eigene Welt,
hier bleib ich heute stehen, 
bis mein Prinz mich wieder in seinen Armen
in mein Märchenschloss bringt.
Magie für jede Welt.


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